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konnten 20 Professoren und Professorinnen, hauptsächlich der HTLs Perg und Leonding während der Karwoche 2012 widerlegen:

1. Lehrer tun nichts für ihre Fortbildung, schon gar nicht in den Ferien
2. Die EU ist ein bürokratisches Monster, das sich ca. 1000 km nordwestlich des armen Österreichs versteckt hält.

20 Professoren, teilweise in Begleitung ihrer Partner bzw. ihrer studierenden Kinder, insgesamt eine Gruppe von 39 Personen, fuhren von Palmsonntag bis zum Karsamstag 2012 unter Leitung von RA Prof. Dr. Karl Krückl PLL.M auf eigene Kosten nach Brüssel, um sich aus erster Hand über politische und rechtliche Entwicklungen in der Europäischen Union zu informieren.

Seine Exzellenz Botschafter Mag. Grahammer, Ständiger Vertreter Österreichs bei der EU, begrüßte die Gruppe persönlich, hielt einen spannenden Vortrag über die tägliche Arbeit der Ständigen Vertretung im Verhältnis zum Rat der Europäischen Union und überzog das eingeplante Zeitbudget wegen der großen Diskussionsfreude der Exkursionsteilnehmer deutlich.

Bildungsattaché Mag. Pletersek machte mit den bildungspolitischen Zielen der EU (fünf benchmarks bis 2020) vertraut, wobei das Ziel Erhöhung der Akademikerquote auf 40% (Österreich derzeit 23,5 %) vor dem Hintergrund der hohen Arbeitslosigkeit in einem Land hinterfragt wurde, das diese Quote jetzt bereits erfüllt: Spanien. Auch der geänderte Stellenwert des berufsbildenden höheren Schulwesens und des dualen Ausbildungssystems (Lehrlingswesen) überraschte nicht wirklich: Bis jetzt von Österreichs und Deutschlands Partnerländern in der EU eher herablassend betrachtet, bilden diese "Eigenheiten" des Schulsystems eine Art unique selling proposition, der nunmehr nachgeeifert werden könnte - best practise ist ein anerkanntes Modell europäischer Harmonisierung.

"Oberösterreichs Mann in Brüssel", Dr. Lonauer, Leiter des Verbindungsbüros des Landes Oberösterreich zur EU, bot einen Streifzug durch seine 18jährige Tätigkeit in Brüssel, Lobbyingarbeit im besten Sinne (zB Stichwort Vernetzung der gentechnikfreien Regionen Europas, auf Lonauer zurückgehend). Das aus zwei "Mann" bestehende VBB sei eine Servicestelle für alle Oberösterreicher mit Informationsbedarf aus Brüssel und gleichzeitig offenes Ohr Oberösterreichs für kommende europäische Entwicklungen.

Ein Besuch im Europäischen Parlament, Assistentin Mag. Ina Paripovic gab einen Einblick in den Arbeitsalltag und beantwortete geduldig bohrende Fragen, durfte nicht fehlen, allerdings war die Karwoche "grüne Woche", die Mitglieder des Europäischen Parlaments befanden sich plangemäß in ihren Heimatwahlkreisen.

Der ranghöchste Österreicher im Rat der Europäischen Union, stellvertretender Generaldirektor und Protokollchef Dr. Leopold Radauer empfing die Gruppe in einem typischen Ratsarbeitsgruppensaal und führte in die Arbeitsweise des Rates und des Europäischen Rates ein, nicht ohne die wirtschafts- und sicherheitspolitisch brisanten Themen durch gelegentliche kleine Anekdoten, wie sie nur ein Spitzendiplomat kennt, aufzulockern.

Aus der Europäischen Kommission stand mit Martin Saeckl ein profunder Kenner des Innenlebens zur Verfügung, aus dem Kabinett von Kommissar Dr. Hahn Dr. Stefan Zotti; insbesondere mit Herrn Zotti wurde nach dessen Vortrag intensiv über die Ursachen des eher schlechten Images der EU in Österreich und mögliche Ansätze zur Bekämpfung diskutiert. Die Gruppe konnte sich davon überzeugen, dass "die Brüsseler Bürokratie" angesichts der Ausdehnung und Bevölkerungsstärke der EU zahlenmäßig sehr klein ist - weniger Beamte, als sie die Stadt Wien allein hat, administrieren fast 500 Millionen EU-Bürger; nach fünf Erweiterungsrunden bedarf ein Gebilde von bald 28 Mitgliedsstaaten des Kompromisses als Regelungstechnik, und der Brüsseler Tango, zwei Schritte vor, einen zurück, zwei zur Seite, wird zum Wohle der Bürger Europas in Hinkunft wieder Schritte vorwärts machen. Angesichts von (Wirtschafts-)Mächten wie China, Indien, Brasilien, Russland und den Vereinigten Staaten kann nur ein einiges Europa verhindern, wirtschaftlich auf das Abstellgleis gestellt zu werden und politisch in die Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Die Militärvertretung Brüssel des österreichischen Bundesheeres war die letzte Anlaufstelle der Exkursionsteilnehmer. Oberst Dr. Otto Naderer empfing sie im streng gesicherten Hauptquartier der NATO (auch ein Sprengstoffhund durchsuchte den Reisebus), in dem neben Österreichs (kleiner) Botschaft zur NATO auch ein Teil der MVB angesiedelt ist. Oberst Dr. Naderer stellte die Aufgaben der MVB im Verhältnis zur EU und zur NATO dar, ebenso die Aufgaben der NATO, diskutierte deren Afghanistaneinsatz und konnte darauf verweisen, dass (weitgehend unbekannt) dort 58 (!) Staaten Truppensteller sind (einschließlich Österreich mit drei Offizieren). Als promovierter Historiker und Politologe spann Oberst Dr. Naderer gekonnt große historische Bögen, diskutierte intensiv mit der Gruppe und verdoppelte beinahe die geplante Veranstaltungsdauer.

Frau Inge Hiesl vom VBB, neben Dr. Lonauer die zweite Hälfte des nur zahlenmäßig kleinen VBB, gebührt der große Dank der Gruppe für die perfekte Vorortbetreuung und Programmerstellung. Abschließend wurden die spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen flämischen Städte Gent und Brügge besucht und die andauernde Staatskrise Belgiens, seine tiefe ethnisch-wirtschaftliche Spaltung besprochen.

Dr. Karl Krückl PLL.M

Weitere Informationen zu dieser Bildungsreise sind der HTL Perg Facebookseite sowie dem Artikel "Eine Woche Belgien und das mit Lehrer!" zu entnehmen.