Herausgerissen aus ihren Betten, fanden sich am Montag den 10. Oktober die Maturaklassen(5AHDVK, 5BHDVK), in aller Hergottsfrüh, vor der Schule ein. Mit müden und langen Gesichtern wird sich in einen Bus gezwängt und versucht schnellstmöglich wieder in die Traumwelt zu entfliehen, denn sie alle wissen, es steht eine lange Fahrt bevor. Straßburg heißt das Ziel, welches neben dem Europaparlament und dem Europarat noch andere wichtige Europaeinrichtungen beherbergt. Schon um 4:30 in der Früh startet die 665 km lange Fahrt zur Hauptstadt Europas und endet erst am Nachmittag desselben Tages.
Abgesehen von der langen Fahrdauer und dem schlechten Wetter, mit dem uns Frankreich zu begrüßen schien, verlief die Fahrt doch recht ereignislos. Das Hotel ETAP, welches für unsere Unterbringung zuständig gewesen wäre, wusste jedoch anscheinend nichts von unserem Kommen. Sehr ärgerlich und vor allem anstrengend, da es eine Weile gedauert hat, bis eine Einigung erzielt werden konnte. Die sprachlichen Differenzen von Rezeption und den begleitenden Professoren kamen erschwerend dazu. Nach gut einer halben Stunde war es dann doch geschafft, für uns alle Zimmer zu finden, und somit hatten wir die erste Hürde unseres Aufenthalts in Straßburg überwunden.

Der Nachmittag des ersten Tages verging wie im Flug. Nachdem sich alle in den Zimmern eingerichtet hatten, folgte der, in nächster Zeit öfters bestrittene, Marsch zum Münster, der gewaltigen Kirche im Zentrum Straßburgs. Mit überragender Pracht wurde die gotische Kirche, die abgesehen von wenigen Änderungen der Notre Dame in Paris gleicht, vom Abendrot des vorbeistreifenden Tages verschlungen. Ausgehend vom Münster war es uns in Folge freigestellt ein Abendprogramm zu wählen. Die Straßen waren gespickt mit Geschäften und Restaurants, die bereits auf unsere hungrigen Mäuler zu warten schienen. Der Abend war schnell vorbei und wir alle sanken bereits früh in die Betten, denn am nächsten Tag, so wussten wir, würde es direkt ins Europaparlament gehen, dem wohl wichtigsten Ziel unserer Reise.

Am nächsten Morgen, nach dem etwas dürftigen Frühstück, machten wir uns, gekleidet wie anständige akademische Bürger – Anzug und Krawatte – auf den Weg zum besagten Parlament. Schon von weitem konnte man den markanten, recht modernen Turm des neuen Parlamentsgebäudes sehen, der fast vollständig mit Glasfenstern beschichtet war. Wie man uns im Verlauf der Führung eines deutschen Praktikanten sagte, sei dies symbolisch für die Transparenz des Europaparlaments. Es wurde uns sogar eine relativ kompetente Dame zur Verfügung gestellt, um all unsere Fragen zu beantworten. Der „Vortrag“ – von Diskussion konnte keine Rede sein – dauerte knapp 1,5 Stunden. Besagte Dame hatte die Vorliebe uns mit einer einlullenden Stimme zum Einschlafen zu bringen und uns unserer zustehenden Antworten zu berauben, denn um einer ihrer Argumentationsketten folgen zu können, war vollste Konzentration vonnöten. Allerdings konnten doch etliche unserer Fragen beantwortet werden und das diversierte, umfangreiche Wissen, über das Europaparlament und dessen Aktivitäten, musste man ihr im Endeffekt doch zugestehen. Nach diesem Besuch der wohl wichtigsten Einrichtung Europas folgte eine kleine Stadtrundtour durch Straßburg. Eine ältere Dame, die uns als Führerin bestimmt war, zeigte uns ein malerisches Viertel, das „Petit France“ – zu Deutsch „Klein Frankreich“ –, welches früher nur als Gärberviertel bekannt war, und erzählte uns gleichzeitig aus der Geschichte und den Hintergründen der Stadt. Alles in allem eine sehr interessante und nette Tour, die dann ebenfalls in der Nähe des Münstes ihr Ende fand.


Wie am Vortag galt der Abend der freien Gestaltung, Abendessen gab es im Hotel Etap nämlich keines.

Auf den Mittwoch freuten sich alle, denn an diesem Tage stand der Besuch in Rust, dem Europa Park, an. Der riesige und weltbekannte Freizeitpark, der über gar endlos erscheinend viele Attraktionen verfügte, zog im Endeffekt dann auch den Grimmigsten ein strahlendes Lächeln ins Gesicht. Bis zum Abend hatten wir Zeit uns in Tiefen fallen, in der Gegend herumwirbeln und in luftige Höhen tragen zu lassen. Erschöpft wurden wir dann von unserem treuen Busfahrer, der immer einen knackigen Witz auf Lager zu haben schien, zur Unterkunft zurück gebracht. Mental konnten wir uns dann schon einmal auf den folgenden Tag vorbereiten, der, wie man uns sagte, einen recht engen Zeitplan vorsah.

Dieser begann nämlich mit einer Bootsfahrt auf der Ill und dem Rhein, begleitet von akustischen Informationen, in auswählbar verschiedenen Sprachen , zu Gebäuden und deren Geschichte. Das Boot, in dem wir saßen, schien recht modern, ermöglichte beste Sicht und die Informationen über die Stadt waren ebenfalls sehr interessant. Es war erstaunlich, wie viele wichtige Bereiche auf dem Wasserweg erreicht werden konnten. Nach der Bootsfahrt haben wir uns auf den Weg zum Europarat gemacht. Dieser liegt nicht weit entfernt zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, welchen wir vorab kurz von außen besuchten. Im Europarat bekamen wir dann eine Führung von einer mehr oder weniger deutsch sprechenden Sekretärin, die uns in die Geheimnisse des Europarats einweihen sollte. Der Vortrag war allerdings schlecht vorbereitet. Wären nicht zwischendurch Fragen gestellt worden, so wären viele wichtige Informationen auf der Strecke geblieben. Nachdem wir uns noch den Sitzungssaal des Europarates angeschaut hatten, ging es auch schon zur nächsten Station, einer Weinverkostung des Unternehmens Klipfel im kleinen Dörflein Barr. Um auch etwas von der schönen Landschaft einfangen zu können, haben wir auf der Hinreise die Autobahn gemieden und sind auf Umwegen der Landstraße gefolgt. Klipfel ist ein Familienunternehmen, das schon über mehrere Generationen weitergegeben wurde. Demnach bestand die Einleitung, gleich nach Ankunft, aus einem Besuch im unternehmenseigenen Museum, welches abgesehen von 200 Jahre alten Weinfässern auch jegliche Art von Gerätschaften präsentierte, die früher zur Weinbereitung von nöten waren. Letztendlich durften wir dann auch vom berümten Elsasser Wein kosten und lernten vom Fachmann, wie man einen Wein „richtig“ verkostet. Alles in allem ein wirklich schöner Tag, der uns geschichtlich, politisch und kulturell zu unterhalten pflegte.

Dem letzten Tag, Freitag der 14. Oktober, galt die Rückreise, welche ohne größere Schwierigkeiten und Gemaule angetreten wurde. Selbst wenn einige von uns das schöne Straßburg und das Adrenalin der Achterbahnen von Rust vermissten, wusste doch jeder, dass eine so schöne Woche ein Ende finden musste. Nach der knapp 8 stündigen Fahrt waren wir dann wieder im altbekannten Perg, wo auch schon unsere Eltern warteten.

Fazit:
Straßburg ist eine wunderschöne Stadt, die sowohl von architektonischen Meisterwerken wie auch kulturellem Gut nur so strotzt. Sie vereint sowohl deutsche als auch fränzösische Aspekte die sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar machen. Außerdem ist sie der Standort von weltpolitisch wichtigen Einrichtungen, die einen Besuch für alle akademischen und gehobenen Gesellschaftsschichten voraussetzen. Allerdings spiegelt sich dies alles im Preis der Geschäfte wider. Wer hier essen will oder gar nur ein Souvenir im Auge hat, der sollte sich mit einer leeren Geldbörse anfreunden, denn was hier teilweise verlangt wird, würde bei uns schlichtweg als Wucher bezeichnet. Da heißt es: Suchen nach den billigen Geschäften, keine leichte Aufgabe.